Sunday 16. June 2019

Unser Pfarrcafe – Treffpunkt am Sonntagvormittag

Unsere Kirche – eine Oase der Stille

Inhalt:

Thüringenreise 18.-23.9.2012

 

Reise in Zahlen

 

1.836 gefahrene Bus-Kilometer
7 Uhr frühester Fahrtbeginn
3 besuchte Orte: Seiffen, Oberwiesenthal, Wartburg
8 besichtigte Städte: Annaberg-Buchholz, Eisenach, Gotha, Erfurt, Jena, Weimar, Karlsbad
8 FremdenführerInnen zugehört, somit
19,3 h aufmerksames Zuhorchen
ca. 138 Krügel Bier getrunken
ca. 81 Würstel konsumiert
1.215 m Fichtelberg im Erzgebirge - höchste befahrene Erhebung
0 Regenstunden während unserer Besichtigungen
30 ReiseteilnehmerInnen aus den 4 Dekanatspfarren
9 Personen - größtes Kontingent aus Auferstehung Christi
2 Personen - kleinstes Kontingent aus St. Florian
2 vertauschte Koffer

 

Zu Lebzeiten Goethes und Schillers war eine Kulturreise in den Süden - vornehmlich nach Italien - das erklärte Wunschziel der gesamten deutschen Bildungsschicht. Nur Wenige konnten sich damals diesen Traum erfüllen, da er mit großen organisatorischen, finanziellen und körperlichen Belastungen verbunden war. Reisen barg Gefahren wie Straßenräuber, Kutschenunfälle, miserable Straßen, unzureichende Quartiere … Dank unserer Pastoralassistentin Michaela Spies wurde es uns hingegen leicht gemacht, sich auf solch eine klassische Bildungsreise zu begeben. Die führt uns allerdings nicht nach Italien, das für viele von uns ein bekannter und gerne bereister Nachbar ist, sondern in den Osten Deutschlands. Durch den eisernen Vorhang war diese Gegend jahrzehntelang aus unserem Gesichtsfeld verschwunden und kann erst in den letzten Jahren wiederentdeckt werden. Dabei war diese Region von prägender Bedeutung für die europäische Kultur- und Religionsgeschichte.

Allen voran ist hier Eisenach zu nennen, wo wir uns auf Martin Luther Spuren begaben, der hier drei Jahre (ab 1498) lang die Pfarrschule besuchte. Nach Eisenach, besser auf die über dem Städtchen thronende Wartburg, kam er 1521 zurück. Diesmal als Geächteter aber unter dem Schutz des Kurfürsten Friedrich des Weisen stehend. Seinen Aufenthalt nutzte er, um das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen, womit er den Grundstein unseres Schriftdeutschs legte. Zwei Jahrhunderte vor Luther war die Wartburg Wirkungsort der Hl. Elisabeth von Thüringen. 1207 als ungar. Prinzessin geboren, wurde sie die Gemahlin des Landgrafen von Thüringen. Trotz ihrer adeligen Stellung verschrieb sie sich dem Armutsideal und sorgte sogar persönlich für Kranke im Hospital. Diese Arbeit rieb sie körperlich völlig auf, sodass sie im Alter von 24 Jahren 1231 starb. Ein Sohn der Stadt Eisenach, der die Musikwelt entscheidend prägte, war der Komponist Johann Sebastian Bach, der hier 1685 in eine Musikerfamilie hineingeboren wurde und dessen Elternhaus noch gezeigt wird.                                                                                                                                                    Gotha, die Nachbarstadt Eisenachs, trat im Barock auf die weltpolitische Bühne. Durch die Herzöge von Sachsen-Gotha wurde sie Residenz und dementsprechend prächtig ausgebaut. Als Zeugen dafür sahen wir das Barockschloss Friedenstein und die Altstadt. Ein mit Besichtigungen ausgefüllter Tag ging zu Ende.

Um Erfurt, die größte Stadt (206.000 Einwohner) und heutige Hauptstadt Thüringens, zu erkunden, nahmen wir uns einen vollen Tag Zeit. Hier finden sich viele Bauzeugen aus der wechselvollen Geschichte der Stadt. So die älteste erhalten gebliebene Synagoge Mitteleuropas aus 1094. Die mittelalterliche Krämerbrücke die mit einer Länge von 120 m das Flüsschen Gera überspannt und noch mit 32 Häusern bebaut ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist natürlich das einzigartige Ensemble von gotischem Dom und Severikirche auf dem Domberg.

Natürlich standen auch Weimar und Jena auf unserer ‚short list‘. Beide Städte sind untrennbar mit der deutschen Klassik und den Persönlichkeiten Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe verbunden. Jenas Universität erlebte damals eine Blütezeit und mit ihr das Geistesleben. Seit 1789 wirkte hier Schiller als Philosophie-Professor ebenso wie Fichte, Schelling und Hegel. Goethe war ein gern gesehener Gast in Jena, dessen Lebensmittelpunkt aber in Weimar war, wo er am Hof des Herzogs als Minister in Diensten stand und 57 Jahre lebte. Es ist schon ein besonderes Gefühl, durch die Gassen dieser Städte zu schlendern, die Universität zu sehen, wo Schiller lehrte, den Herzogshof, wo Goethe ein und aus ging, den Jacobsfriedhof zu betreten. Das Weimarer Hoftheater zu sehen, das unter Goethes Leitung stand oder sogar die Wohnhäuser der beiden großen Dichterfürsten zu betreten. Gerade von diesen beiden Städten waren wir so fasziniert, dass wir gerne noch länger dort geblieben wären.

Aber der nächste Tag brachte wiederum ein Highlight. Diesmal war es der traditionsreiche Kurort Karlsbad in Tschechien, der auf unserer Rückreiseroute lag. Seit 600 Jahren werden die 12 Heilquellen zu Bäder- und Trinkkuren genutzt. Augenzwinkernd spricht man hier noch von einer "13. Heilquelle". Gemeint ist der berühmte Kräuterlikör "Becherovka".

Das Reiseprogramm rundete auch ein Besuch in Seiffen ab. Dieses im Erzgebirge gelegene Spielzeugdorf ist berühmt für seine Schwibbögen, Nussknacker und Weihnachts-Pyramiden aus Holz. In einer Schauwerkstätte konnten wir zusehen, wie solche Seiffener Figuren zum Leben erweckt werden. Wer wollte konnte auch seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellen und für sich selbst ein Räuchermännchen oder Hexenhäuschen basteln. Somit sind wir bereits für das nächste Weihnachtsfest gerüstet!

Der landschaftliche Höhepunkt der Fahrt war Oberwiesenthal im Erzgebirge. Der Ort war für die DDR das bedeutendste Wintersport-Zentrum mit vielen Ausbildungsstätten für die sportliche Elite des Landes. Davon zeugen u. a. die drei Schisprungschanzen. Erschlossen wurde diese Gebirgsgegend im Mittelalter eigentlich wegen der Silbererzvorkommen. Auch der Nachbarort Annaberg-Buchholz wurde als Bergwerksstadt gegründet, wobei sehr früh als zweites wirtschaftliches Standbein für die Stadt die Spitzenherstellung durch Klöppeln hinzukam. Im Museum für Erzgebirgische Volkskunst wird das den Besuchern anschaulich nahegebracht. Eine Überraschung für uns war die St. Annenkirche, deren schlichtes Äußeres ihren prächtigen Innenraum kaum erahnen lässt. Sie präsentierte sich als lichtdurchflutetes spätgotisches Gotteshaus mit einer beeindruckenden verschlungenen Gewölbeform und einer ‚steinernen Bilderbibel‘.

An dieser Stelle sei nochmals ein spezielles Dankeschön an Michi Spies ausgesprochen für ihre Arbeit im Vorfeld und auch für ihre Betreuung während dieser sechstägigen Fahrt!! Schön auch, dass uns Michi eine Fortsetzung dieser Ostdeutschlandfahrten versprochen hat und so möge uns im September 2013 eine neuerliche Bildungsreise wieder zusammenführen.

 

Gerlinde Panny

 

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